Konversations-Café wieder geöffnet

Wir freuen uns sehr, dass nach langer pandemiebedingten Unterbrechung das Konversations-Café seit dem 21. Juni 2021 wieder geöffnet ist! 

Jeden Montag von 14.00 bis 16.00 Uhr sind Sie wieder herzlich eingeladen, Gespräche zu führen und neue Kontakte zu knüpfen. 

Kleine Texte laden zum Austausch ein und erweitern den Wortschatz. 

Leiterin des Konversationscafés ist Barbara Schlüter, unterstützt wird sie von Samal Hussain und Arejdane El Madani. 

Wir freuen uns auf Ihren Besuch! 

Konversationscafe 21 06 Foto: Hıdır Çelik


 

Für den Zugang zu Gesundheit-, Pflege und Teilhabeleistungen

Erklärung des „Bonner Netzwerkes Flucht, Migration und Behinderung“ zum Weltflüchtlingstag 2021

Der Weltflüchtlingstag findet 2021 wie jedes Jahr am 20. Juni statt. In den letzten Jahren hat die Zahl geflüchteter Menschen traurige Höchststände erreicht, Millionen von Menschen waren und sind gezwungen, vor Gewalt und Verfolgung ihre Heimat zu verlassen.

Der Weltflüchtlingstag ist für uns, das „Bonner Netzwerk Flucht, Migration und Behinderung“, Anlass, auf notwendige Änderungsbedarfe an der Schnittstelle Flucht, Migration und Behinderung hinzuweisen.

In Bonn lebt eine wachsende Zahl von Geflüchteten / Zuwanderinnen und Zuwanderern mit Beeinträchtigungen / Behinderung(en) und gesundheitlichen Einschränkungen. Asylsuchende und geduldete Menschen mit Behinderung sind mit vielen Teilhabebarrieren konfrontiert. So ist ihr Zugang zu Teilhabe- und Rehabilitationsleistungen durch das Asylbewerberleistungsrecht in der Praxis eingeschränkt. Uns ist es ein wichtiges Anliegen, die gesellschaftliche und politische Teilhabe Zugewanderter und Geflüchteter mit Behinderung zu verbessern, ihnen mehr Teilhabe an Gesundheit, Prävention, Pflege zu ermöglichen. Inklusion, Teilhabe und Barrierefreiheit darf keine Frage des Aufenthaltstitels sein.

Wir sehen aktuell insbesondere folgende Handlungsbedarfe:

- Sprachförderangebote für zugewanderte Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung

Hinreichende Sprachkenntnisse sind die notwendige Grundlage für gesellschaftliche, kulturelle und wirtschaftliche Teilhabe. Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung und kognitiver Beeinträchtigung benötigen für erfolgreichen Spracherwerb besondere Rahmenbedingungen, die im aktuellen Integrationskursangebot des Bundes nicht abgebildet werden. Durch das Fehlen solcher Angebote wird eine gelungene Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft und an der Arbeitswelt verhindert. Es besteht also Handlungsbedarf in der Entwicklung bedarfsgerechter Sprachförderangebote für zugewanderte Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung.

- Identifizierung behinderungsspezifischer Schutzbedarfe geflüchteter Menschen

Die 16. Integrationsministerkonferenz (IntMK) am 29. April 2021 betonte, dass geflüchtete Menschen mit Behinderung einer besonderen Schutzbedürftigkeit unterliegen und einen entsprechenden Anspruch auf Versorgung im Rahmen der Erstaufnahmestrukturen haben. „Eine wesentliche Voraussetzung, um ihrer besonderen Schutzbedürftigkeit gerecht zu werden, ist die systematische Identifizierung entsprechender Schutzbedarfe innerhalb der Erstaufnahmestrukturen.“, so die Konferenz. Aktuell findet diese Identifizierung behinderungsspezifischer Schutzbedarfe im Rahmen des Asylaufnahmeverfahrens, entgegen Deutschlands unionsrechtlicher Verpflichtung (EU-Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU, Art. 22), nicht systematisch statt. Bleiben Schutz- und Unterstützungsbedarfe jedoch unsichtbar, hat das massive Folgen und Auswirkungen auf diverse Ebenen, sei es Unterbringung, Infektionsschutz, Beschulung, Zugang zu notwendig medizinischen und Leistungen der Rehabilitation und Teilhabe u.a.

Wir befürworten daher die Empfehlung der IntMK an den Bund ein einheitliches Verfahren zur Identifizierung behinderungsspezifischer Schutz- und Unterstützungsbedarfe zu ermöglichen. Die notwendige Identifizierung besonderer Schutz- und Unterstützungsbedarfe geflüchteter Menschen mit Behinderung darf nicht dem Zufall überlassen werden.

Haben Sie Fragen zum Netzwerk und/oder möchten Sie mitmachen, nehmen Sie gerne Kontakt auf!
Kontakt zum Netzwerk: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Mit freundliche Grüßen
i. A. des Netzwerkes
J. Michael Fischell (Dipl.Soz.Wiss.) /Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) / Integrationsagentur

Erklärung_16_06_2021


 

Schutz gegen sexualisierte Gewalt

Durch das Kirchengesetz der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) zum Schutz vor sexualisierter Gewalt vom 15. Januar 2020 ist die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit (EMFA) / Integrationsagentur Bonn zum Schutz vor sexualisierter Gewalt verpflichtet. Dieses Anliegen, das uns immer schon wichtig war, verlangt Präventions-, Interventions-, individuelle Unterstützungsmaßnahmen und institutionelle Aufarbeitungsprozesse. Ein entsprechendes, an die Arbeit der EMFA angepasstes Schutzkonzept, wird zurzeit durch eine Arbeitsgruppe erstellt und soll Ende 2021 veröffentlicht werden.

Ansprechpartner*innen der EMFA / Integrationsagentur, die jede und jeder vertraulich kontaktieren kann, sind:

Carina Pfeil: 0174 1658544, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Dirk Voos: 01520 63127 40, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Auch für den Evangelischen Kirchenkreis Bonn stehen zwei Ansprechpartner*innen bereit:

Thomas Dobbek und Maria Heisig

von der Evangelischen Beratungsstelle, Tel.: 0228 6880 150.

Mit freundlichen Grüßen

Hidir Celik
(Leiter der Evangelischen Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) / Integrationsagentur)

Carina Pfeil
(Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit und Ehrenamt)

Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) / Integrationsagentur
Brüdergasse 16-18 - 53111 Bonn

Tel.: 0228 697491
Mobil: 0174 1658544

Infobrief_Schutzkonzept_gegen_sexualisierte_Gewalt_EMFA_Juni_2021


 

Inklusion - eine Frage des Aufenthaltstitels?

Einladung zur fachpolitischen Veranstaltung am 09.06.2021

Am Mittwoch, dem 09.06.2021, findet unsere fachpolitische Online-Tagung „Inklusion - eine Frage des Aufenthaltstitels? Geflüchtete Menschen mit Behinderung zwischen Asyl- und Teilhaberecht“ statt.

Programm der Veranstaltung

Wir freuen uns sehr über die zahlreichen (aktuell 350 !!!) Anmeldungen. Diese bestätigen das breite Interesse an der Schnittstelle Flucht und Behinderung sowie die Relevanz des Themas. Um Sprachbarrieren zu überwinden, ist unser Programm nun auch auf Englisch, auf Arabisch und bald auf Farsi abrufbar. Hier geht es zur Anmeldung . 

Für Rückfragen stehe ich gern zur Verfügung,

Mit vielen Grüßen,

Karsten Dietze

Handicap International e.V.

Projekt Crossroads | Flucht. Migration. Behinderung

Tel.: +030 28043926 Mob.: +49 176 17610112


 

Neue Rechner bieten eine Perspektive auch in Zeiten der Pandemie

Der digitale Wandel ist – gerade in Corona-Zeiten – in Deutschland in aller Munde. Damit auch zugewanderte Menschen profitieren, hat die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit Bonn (EMFA) nun der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) Bonn-Bad Godesberg drei PC und fünf Laptops spendiert.

"Wir können diese Rechner so gut gebrauchen", freut sich Sozialraummanager Veli Stollaj von der DRK-Betreuungsdienste Westfalen-Lippe gGmbH, "wir haben sie schon im Einsatz." Zum Beispiel für die alternativen Qualifizierungsmaßnahmen. "Wir nutzen die PC und Laptops direkt für unser Qualifizierungsangebot `Grundfertigkeiten für Gemeinschaftsunterkünfte – Küche´", freut sich der zuständige Kursleiter Abdallah Mohamed (Hier finden Sie dazu Infos zum Nachlesen). "Jeder Rechner hat Windows 10 installiert", ist auch Veli Stollaj begeistert, "wir konnten sofort loslegen." Auch die "Schulnahen Bildungsangebote" (zum Nachlesen) profitieren, ebenso die zugewanderten Familien in der ZUE Bonn, die sich bei Bedarf einen Laptop ausleihen dürfen.

Großer Dank an alle Spenderinnen und Spender
"Es ist uns wichtig, den Geflüchteten auch in der Pandemie eine Perspektive zu ermöglichen", erklärt Stollaj. Ein Ziel, das auch die EMFA unterstützt. Sie bitten nicht nur für Flüchtlingseinrichtungen um Spenden, sondern auch für Schülerinnen und Schüler aus einkommensschwachen (deutschen) Haushalten. Daher gilt der Dank des DRK-Sozialdienstes nicht nur der EMFA, sondern auch allen Spenderinnen und Spendern, die ihre voll funktionstüchtigen Laptops und PC gespendet haben.

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Bonn Spenden Laptops1 Foto Nazmi Rrahmani 660x440

 Quelle: Meldung - DRK-Betreuungsdienste Westfalen-Lippe gGmbH (drk-betreuungsdienste-westfalen.de)


 

Aufruf #FamilienGehörenZusammen

Liebe Engagierte in der Flüchtlingsarbeit,

zum Tag der Familie am 15. Mai 2021 hat ProAsyl diesen Aufruf #FamilienGehörenZusammen veröffentlicht.

Die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR) unterstützt ihn und hat den Aufruf mit vielen anderen Organsisationen der Zivilgesellschaft erstunterzeichnet!

Aufruf #FamilienGehörenZusammen

Krieg und schwere Menschenrechtsverletzungen zwingen Tausende Menschen zur Flucht. 

Diese ist nicht nur gefährlich und voll Unwägbarkeiten, oft werden auf der Flucht auch Familien auseinandergerissen. In der Folge ist es nicht ungewöhnlich, dass ein Teil der Familie sich zum
Beispiel bereits in Deutschland befindet, während Angehörige noch in unmittelbarer Nähe zum Konflikt oder in einem der griechischen Flüchtlingslager festsitzen.

Ein Weg zurück in die Herkunftsländer wie Syrien oder Eritrea, wo Bürgerkrieg oder Diktatoren herrschen, ist den Geflüchteten aufgrund der dortigen politischen Verhältnisse meist versperrt.
Um wieder gemeinsam als Familie in Sicherheit zusammen zu leben, bleibt nur der Familiennachzug nach Deutschland. Jedoch stehen die Betroffenen vor gravierenden Problemen: Visumsverfahren ziehen sich oft jahrelang hin – oder der Familiennachzug wird sogar komplett verhindert.

Seit 2018 wurde ein monatliches Kontingent definiert: Maximal 1000 Menschen pro Monat dürfen im Rahmen des Familiennachzugs zu ihrer Kernfamilie mit subsidiärem Schutz nach Deutschland kommen.

Wir fordern den Bundestag und die Bundesregierung auf:

Stellen Sie sicher, dass Geflüchtete als Familie zusammenleben können!

Setzen Sie sich ein:
 Für eine rechtliche Gleichstellung von subsidiär Geschützten und Flüchtlingen
 Für eine digitale Beantragung von Visaanträgen und die Bearbeitung innerhalb von wenigen Wochen
 Auch minderjährige Geschwisterkinder dürfen nicht vom Familiennachzug ausgeschlossen werden

Wir rufen den Bundestag und die Bundesregierung zum Handeln auf!

Aufruf-FamilienGehoerenZusammen


 

„… weil auch Du ein Fremdling warst“

An alle, die Angst vor „Flüchtlingen“ haben

Theologischer Impuls von Thorsten Latzel
(neuer Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR))

Gleich am ersten Tag, nachdem ich zum Präses gewählt worden bin, erreichte mich eine Mail zum Thema „Flüchtlinge“. Eine ältere Frau teilte mir darin ihr tiefes Unverständnis mit, wie die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland sich dafür einsetzen könne, weitere Flüchtlinge aus den Lagern in Bosnien-Herzegowina und von Lesbos aufzunehmen.

„Seit ich denken kann, nimmt Deutschland Flüchtlinge auf – als ich Kind war, musste in der Familienwohnung ein Zimmer geräumt werden, für Flüchtlinge – so hat es sich über 70 Jahre fortgesetzt -… es reicht! Meine Sorge gilt meinen Kindern und Enkelkindern, die all das bitterst aushalten und auch noch bezahlen müssen – und dann irgendwann nicht mehr dazugehören und in der Minderzahl sind.“

So wie dieser besorgten Frau möchte ich gerne allen antworten, die sich vor Fremden und „Flüchtlingen“ fürchten.

Sehen Sie, ich bin ein Kind von Eltern, die beide vertrieben wurden, fliehen mussten. Meine Mutter als siebenjähriges Mädchen aus Danzig, mein Vater als Säugling auf dem Arm meiner Großmutter aus Schlesien. Ich bin sehr froh darüber, dass Menschen damals meine Mutter und meinen Vater als kleine Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg bei sich aufgenommen haben. Sonst gäbe es mich heute nicht. Es war eine Zeit, in der es viel weniger gab als heute. Die große Sorge damals, dass Katholiken und Protestanten nicht miteinander leben könnten (es gab getrennte Schulhöfe), hat sich als unbegründet erwiesen. Ich bin ein Kind aus solch einer konfessionsverschiedenen Ehe.

Auch die „Überfremdung“ Deutschlands durch die sogenannten „Gastarbeiter“ in den Jahren danach hat sich nicht eingestellt. Im Gegenteil: Ohne die starke Einwanderung, die damals niemand so nannte, hätte es nie ein solches Wirtschaftswachstum in Deutschland gegeben. Deutschland wäre nicht Deutschland ohne die Menschen aus Italien, Spanien, Griechenland, Polen, der Türkei, dem früheren Jugoslawien. Nicht ohne ihre Arbeit, nicht ohne ihre Kultur, nicht ohne ihre Religion. „Wir riefen Arbeitskräfte, und es kamen Menschen.“ (Max Frisch) Mit Yusuf habe ich in der Grundschule von Bad Laasphe Fußball gespielt, mit Kadir unsere gleichaltrigen Töchter auf dem Spielplatz in Hannover geschaukelt. „Überfremdet“ habe ich mich nie gefühlt.

Flucht und Fremdheit sind für mich sehr persönliche Themen. Ohne sie könnte ich die Geschichte meiner Familie, mich selbst nicht verstehen. Die Epigenetik erforscht, wie solche Erfahrungen an die nächsten Generationen vererbt werden. Sprichwörtlich in den Knochen stecken. Fragen Sie einmal meine Frau, wie es ist, wenn wir gemeinsam wandern.

Und der Schutz von „Flüchtlingen“ und Fremden gehört für mich fundamental zum christlichen Glauben. Er durchzieht die ganze Bibel: vom Auszug der unterdrückten Israeliten aus Ägypten über die 10 Gebote („Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst“, 5. Mose 5,15) bis zu Jesus, dessen Eltern nach seiner Geburt mit ihm vor Herodes außer Landes fliehen (Mt 2,13ff.). Und der später den Umgang mit Fremden zu einem Maßstab des Weltgerichts gemacht hat: „Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. […] Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,35.40)

Wenn Leute versuchen, das, was sie für das „christliche Abendland“ halten, vor Fremden zu retten, scheinen sie hier irgendwas nicht verstanden zu haben.

Das heißt nicht, dass Deutschland nun „alle aufnimmt“. Schon deshalb nicht, weil die meisten Menschen überhaupt nicht aus ihrer Heimat wegwollen, wenn sie nicht müssen. Und selbst wenn Menschen fliehen müssen, bleiben die allermeisten in Nachbarländern.

Das hat auch nichts mit „Gutmenschentum“ zu tun. Nein, „Flüchtlinge“ sind weder bessere noch schlechtere Menschen als Sie und ich. Es sind einfach Menschen auf der Flucht. Oft Familien mit Kindern. Oft junge Männer, weil sie am ehesten eine Chance haben, für die anderen „durchzukommen“. Menschen zum Teil mit tief traumatischen Erfahrungen. Viele mit großer Energie, Hoffnung, Tatkraft.

Es hilft sehr, wenn wir mit dem abstrakten, sorgenvollen Reden über „die Flüchtlinge“ aufhören – und stattdessen mit den konkreten Menschen reden, die es auf ihrer Flucht zu uns geführt hat. Mit Menschen wie Ahmad Dakhnous, den ich letztes Jahr kennenlernen durfte. Ahmad ist als Palästinenser aus Damaskus nach Deutschland geflohen und studiert hier Politik. Es gibt wenige Menschen, die ich jemals so von Demokratie habe schwärmen hören wie ihn. Gemeinsam mit Mitstudent/innen hat Ahmad ein Projekt gestartet, um Integrationskurse weiterzuentwickeln. Weg von Multiple-choice-Fragen hin zur Begegnung mit „Menschen von hier“ – gleich welcher Kultur, Religion oder sexuellen Orientierung. Manchmal verstehen „Fremde“ besser, was unser Land wirklich auszeichnet:

„Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. […] Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“ (Art. 3 GG)

Ich nehme das Thema „Flüchtlinge“ auch deshalb persönlich, weil ich nicht möchte, dass meine Kinder und Enkel einmal in einer lieblosen Gesellschaft leben müssen, wo christliche Werte wie Nächstenliebe oder Barmherzigkeit nichts mehr gelten. In einem Land, in dem man es hinnimmt, dass Menschen ertrinken, nur, weil sie nicht „von hier“ sind. In einem Europa, in dem zu uns Geflüchtete unter menschenunwürdigen Umständen leben – wie etwa in den Lagern in Bosnien oder auf den griechischen Inseln. Auch meine Kinder wollen das nicht und sehen sich überhaupt nicht gefährdet. Im Gegenteil: Sie und ich haben an verschiedenen Orten erlebt, wie gerade Menschen mit Fluchterfahrungen sich einbringen und mitarbeiten, um ihre neue Heimat zu schützen, die sie schützt.

Insofern bin ich überzeugt, dass Sie keine Sorge um Ihre Kinder oder Enkel haben müssen. Allenfalls davor, wenn man einen Keil in unsere Gesellschaft treibt, wenn man Menschen nach ihrer Abstammung anstatt nach ihrer Person beurteilt und so unsere offene, demokratische Gesellschaft gefährdet. Davor behüte uns Gott!

„Fremde“ und „Heimat“

„Fremde“ ist der Ort,
an dem man angewiesen ist
auf die Hilfe, Zuwendung, Barmherzigkeit
von Menschen, die man nicht kennt.
„Heimat“ ist der Ort,
an dem man sie erfährt. (TL)

Ursprünglich erschienen unter: „… weil auch Du ein Fremdling warst.“ An alle, die Angst vor „Flüchtlingen“ haben - EKiR - Präsesblog


 

„ICH DENK AN DICH“

Ich denk an Dich

GEDENKEN FÜR DIE VERSTORBENEN DER CORONA-PANDEMIE

Seit über einem Jahr spüren die Menschen in der ganzen Welt, in Deutschland und auch in Bonn und Umgebung die Folgen der Corona-Pandemie. Erfahren viele Menschen nur die Einschränkungen, so gibt es andere, die persönlich durch Infektion mit Covid-19 krank geworden oder sogar gestorben sind. In Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis sind das bisher mehr als 650 Menschen. Ich weiß nicht genau, wie viele Geflüchtete und Migrant*innen darunter sind, möchte an dieser Stelle jedoch für die Evangelische Migrations- und Flüchtlingsarbeit auf ihr Schicksal hinweisen.

Wer an die Coronatoten denkt, drückt sein Mitgefühl mit den Betroffenen und ihren Angehörigen aus. Mit jeder und jedem. Sterben in der Pandemie ist besonders hart, weil oft sehr einsam. Angehörige durften ihren Lieben in den letzten Minuten oft nicht nahe sein. Ihnen unsere Teilnahme zu versichern, kann trösten. Es ist wichtig, nicht zu vergessen. Dafür stille zu werden und zu beten.

Am Sonntag, dem 18. April 2021, fand dazu auf Idee von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nicht nur im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt eine zentrale Gedenkveranstaltung statt. Auch in Bonn gab es verschiedene Angebote, sich an die Verstorbenen während und durch die Corona-Pandemie zu erinnern. Stadtdechant Picken und Superintendent Pistorius eröffneten bereits am Sonntagmittag eine Gedenkinstallation für alle Bonner Coronatoten im Kreuzgang von St. Remigius. Danach bot von 15.00 bis 20.00 Uhr die Evangelische Kirche Bonn auf dem X-tra-Platz vor der Kreuzkirche unter Wahrung der Infektionsschutzmaßnahmen Gelegenheit zum stillen Gedenken und Gebet. Dazu konnten Kerzen angezündet und aufgestellt werden. Seelsorger*innen boten Betroffenen Begleitung an.

Das Gedächtnis kann jede und jeden von uns darüber hinaus daran erinnern, wofür wir uns auch während der Corona-Pandemie anstrengen, wofür wir verzichten, warum wir leiden. Weil wir wollen, dass möglichst wenige krank werden oder gar sterben. Dafür möchte ich mit Ihnen beten. Auch um Zuversicht für ein Ende der Pandemie.

Pfarrer Dirk Voos


 

Hallo Roadbox!

Crossroads Roadbox

Themenportal zur Beratung geflüchteter Menschen mit Behinderung ist ab dem 14. April online

Welche Leistungen kann ich für einen geflüchteten Menschen mit Behinderung beantragen? Wann besteht Anspruch auf Auszug aus einer Erstaufnahme-Einrichtung? Wie beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis? Und was kann ich tun, wenn der gestellte Leistungsantrag abgelehnt wurde?

Fragen wie diese beantwortet die Roadbox des Projekts Crossroads | Flucht. Migration. Behinderung. von Handicap International. Die Roadbox wendet sich an Fachkräfte aus der Geflüchteten- und Behindertenberatung, die geflüchtete Menschen mit Behinderung besser unterstützen wollen. Die Roadbox ist ein barrierefreies Online-Themenportal mit mehr als 30 Texten, Videos, Checklisten und Handlungsempfehlungen, das Handicap International in Zusammenarbeit mit renommierten Fachautor*innen erarbeitet hat. Die Roadbox ist somit gewissermaßen Deutschlands erstes Wikipedia zum Thema Beratung an der Schnittstelle Flucht und Behinderung.

Das Portal bietet Informationen zu Themen wie Asylverfahren, Anspruchsgrundlagen für Leistungen, Leistungsdurchsetzung, Spracherwerb und Empowerment. Es wurde im Rahmen des Projekts Crossroads | Flucht. Migration. Behinderung. von Handicap International entwickelt. Der Name Roadbox bezeichnet dabei den Weg, auf dem das Themenportal Fachkräfte in der Beratung begleitet – und in der Box finden Berater*innen alles was sie brauchen, um im komplizierten Themenfeld von Flucht und Behinderung nicht frühzeitig aufzugeben.

Das klingt spannend? Seien Sie gern bei der Eröffnungsveranstaltung dabei! Nehmen Sie an unserem Online-Event am 14. April um 14 Uhr teil und erfahren Sie alles über die Roadbox – und darüber, wie Sie konkret für Ihre Beratung vom Themenangebot profitieren. Klicken Sie hier, um sich zur Veranstaltung anzumelden: bit.ly/RoadboxLaunch. Sie haben am 14. April keine Zeit? Ab dem 14. April erreichen Sie die Roadbox unter bit.ly/Roadbox. Bei Fragen kontaktieren Sie gern Projektleiterin Dr. Susanne Schwalgin unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

Wir freuen uns auf Sie!


 

Siebtes Treffen des bundesweiten Netzwerks Flucht, Migration und Behinderung

Bericht von J. Michael Fischell

Am 23. und 24.02.2021 trafen sich die Teilnehmer*innen des bundesweiten Netzwerkes Flucht, Migration und Behinderung zu ihrem inzwischen siebten Fachaustausch.

Von der Relevanz der Schnittstelle Flucht und Behinderung in Deutschland zeugte die in der Netzwerkgeschichte bisher größte Zahl von 40 Teilnehmer*innen; darunter auch als Vertreter der EMFA (Integrationsagentur) Bonn, J. Michael Fischell. Coronabedingt fand das Treffen erneut digital statt.

Das Netzwerktreffen fällt 2021 in ein Jahr, in welchem sich die Covid-19-Pandemie fortsetzt. Mit ihr gehen weiterhin große Risiken für geflüchtete Menschen mit Behinderung einher, da sie in vielen Fällen von einem schweren Krankheitsverlauf bedroht sind. Zugleich bringt die Pandemiesituation große Erschwernisse für die Beratungsarbeit mit sich. Schwerpunkthaft nahm das bundesweite Netzwerk Flucht, Migration und Behinderung die Frage einer notwendigen Identifizierung besonderer Schutz- und Unterstützungsbedarfe geflüchteter Menschen mit Behinderung in den Blick. Entgegen Deutschlands unionsrechtlicher Verpflichtung (EU-Aufnahmerichtlinie 2013/33/EU, Art. 22) findet eine Identifizierung behinderungsspezifischer Schutzbedarfe im Rahmen des Asylaufnahmeerfahrens aktuell nicht systematisch statt. Barrieren, Diskriminierung und Benachteiligung bleiben so oft unerkannt, was z.B. massive Folgen für das Asylverfahren der Betroffenen nach sich ziehen kann.

Im Rahmen des Netzwerktreffens tauschten sich die Teilnehmer*innen über mögliche Modelle und ihre Einbettung in das bestehende Aufnahmesystem aus. Mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl war es den Teilnehmer*innen zudem ein wichtiges Anliegen, auf die notwendigen Änderungsbedarfe an der Schnittstelle Flucht, Migration und Behinderung hinzuweisen und die Politik zukünftig dazu zu bewegen, dass die Belange von geflüchteten Menschen mit Behinderung besser bzw. überhaupt erkannt und vertreten werden. Hierzu ist für den 09.06.2021 eine fachpolitische Veranstaltung geplant, bei der Veränderungsbedarfe an der Schnittstelle Flucht, Migration und Behinderung mit politischen Akteur*innen diskutiert werden sollen. Auch ist der Launch der Road Box von Crossroads geplant, eine Toolbox für Fachkräfte, die an der Schnittstelle Flucht und Behinderung arbeiten, bei dessen Erstellung das Netzwerk das Projekt Crossroads im letzten Jahr unterstützt hat.

Die Ziele des Netzwerks für das kommende Jahr sind demnach groß und hoffentlich politisch tiefgreifend. Umso bedauerlicher ist es, dass einige der am Netzwerk teilnehmenden Projekte aufgrund fehlender Finanzierung vor Veränderungen, z.T. auch einer Beendigung stehen. Unsicher ist auch die weitere Finanzierung des Projektes Crossroads, welches die Gründung des Netzwerkes Ende 2018 initiierte und seitdem dessen Arbeit koordiniert. Die Netzwerkteilnehmer*innen diskutierten vor diesem Hintergrund die Frage, in welcher Form die Arbeit bei geringen oder ganz wegfallenden Koordinierungskapazitäten fortgesetzt werden kann.